Tag 5: Eine Nacht im Camp muss reichen. Der Wecker kennt heute wieder kein Erbarmen und noch vor Sonnenaufgang werden die Rucksäcke gepackt. Routine stellt sich langsam ein: Frühstück, Kaffee und frische Früchte – ohne die läuft hier ohnehin gar nichts. Dann heißt es wieder: Twende! Auf zum nächsten Abenteuer. Unser Ziel heute: der Lake-Manyara-Nationalpark.
Doch bevor wir den Tarangire-Nationalpark endgültig hinter uns lassen, beschert er uns noch einen würdigen Abschied. Zuerst überquert eine Hyänenmutter mit ihrem Jungtier seelenruhig die Straße. Natürlich verwandelt sich unser Jeep innerhalb von Sekunden in ein mobiles Fotostudio.



Kaum haben sich alle Kameras wieder gesenkt, stehen schon mehrere Giraffen direkt am Straßenrand. Diese sanften Giganten schaffen es tatsächlich jedes Mal aufs Neue, uns sprachlos zu machen. Und weil Tarangire offenbar keine halben Sachen macht, verabschiedet uns zum Schluss noch eine Elefantenherde – inklusive zweier Jungtiere –, die ebenfalls gemütlich die Straße kreuzt. Fast so, als wollten sie persönlich „Auf Wiedersehen“ sagen.
Auf der Fahrt Richtung Lake Manyara ziehen zahlreiche Massai-Dörfer an uns vorbei. Das Leben hier wirkt gleichzeitig einfach und faszinierend. Dann entdecken wir etwas, das für uns völlig neu ist: rote Bananen. Natürlich müssen sie sofort gekauft werden. Rein wissenschaftlich, versteht sich. Das Experiment endet erfolgreich – sie schmecken hervorragend.
Manyara selbst fühlt sich schon deutlich mehr nach Stadt als nach Dorf an. Überall entstehen Gehwege, Geschäfte reihen sich aneinander und sogar ausgebaute Wasserrinnen für die Regenzeit fallen uns auf. Nach den vergangenen Tagen wirkt das fast schon ungewohnt urban.
Im Nationalpark angekommen dauert es keine fünf Minuten bis zur ersten Sensation. Eine Löwin hat sich einen Büffel erlegt und genießt ihr Mittagessen gut versteckt im Unterholz. Versteckt ist allerdings relativ, denn rund um die Stelle bildet sich innerhalb kürzester Zeit ein regelrechter Safari-Stau. Jeder versucht noch einen halben Meter näher heranzukommen – schließlich könnte das Handy aus genau diesem Winkel das entscheidend bessere Foto machen. Die Löwin scheint das zum Glück wenig zu beeindrucken. Ihre etwas abgeschiedene Lage schützt sie glücklicherweise vor allzu aufdringlichen Paparazzi.
Nachdem wir uns sattgesehen haben – der Löwe übrigens ebenfalls – geht es weiter. Diesmal beobachten wir Paviane, die an einem Stück Baum nagen. Nicht jede Safari besteht nur aus den berühmten „Big Five“, manchmal sind es genau diese kleinen, skurrilen Momente, die im Gedächtnis bleiben.
Auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt begleiten uns wieder Giraffen, Elefanten, Paviane und Blauaffen. Fast schon Alltag – wobei man sich vermutlich nie ganz daran gewöhnt, wilde Tiere einfach neben der Straße stehen zu sehen.
Dann wartet etwas völlig Neues auf mich (heute Iris): Kanufahren. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung und dem obligatorischen Unterschreiben einer Haftungsbefreiung – immer ein beruhigender Start in eine Aktivität – steigen wir ins Boot. Vom Wasser aus zeigt sich die Landschaft plötzlich von einer ganz anderen Seite. Ruhiger, weiter und irgendwie noch beeindruckender. Nach einer gemütlichen Runde entdecken wir schließlich ein Flusspferd. Mit respektvollem Sicherheitsabstand beobachten wir das mächtige Tier, das den Großteil seines Lebens im Wasser verbringt und sein Revier äußerst ernst nimmt. Wir finden, das ist ein Charakterzug, den man respektieren sollte, schließlich kann das Tier unsere Kanus mühelos mit einem beherzten Biss in zwei Hälften teilen.


Zurück an Land wartet bereits die nächste Herausforderung: Bewertungsbogen Nummer X. Offenbar sind Safaris und Feedbackbögen untrennbar miteinander verbunden.
Danach folgt eine lange, staubige und ziemlich anstrengende Fahrt zur nächsten Unterkunft. Als wir endlich ankommen, werden wir vom singenden Personal herzlich empfangen. Normalerweise würden wir diese Gastfreundschaft mit entsprechend viel Begeisterung erwidern. Heute reicht es allerdings nur noch für ein müdes Lächeln. Besonders ich bin nach der langen Fahrt einfach komplett erledigt.
Die rettende Dusche wäscht endlich den braunen Staub des Tages von der Haut. Weil unsere Unterkunft direkt am Wasser liegt, folgt unmittelbar danach der zweite Pflichttermin: einmal komplett mit 50-prozentigem DEET einsprühen. Frisch geduscht und dezent nach Insektenspray duftend machen wir uns auf den Weg zum Abendessen.
Und das hat es in sich: Linsensuppe, Eierreis, Fisch, Mangosalat, gegrillter Kürbis, Hühnerkeulen und gleich drei verschiedene Saucen. Vernunft? Hat heute frei. Wie es sich für einen gelungenen Urlaubstag gehört, essen wir eindeutig zu viel.
Mit vollem Bauch und geschützt unter dem Moskitonetz fallen wir schließlich ins Bett. Der Wecker wird morgen ohnehin wieder früh genug klingeln.
Gute Nacht!























